über den Film

Gotthard Graubner – Farb-Raum-Körper

Er ist ein Pionier der abstrakten Farbmalerei. Seine Werke finden sich weltweit in Museen und Sammlungen. Sie hängen im Berliner Reichstag, schmücken den großen Saal im Sitz des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. Zweimal war Graubner auf die Documenta in Kassel eingeladen, bespielte 1982 den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig.

Durch die sensibel beobachtende Kamera werden Graubners Bilder für den Zuschauer zur sinnlichen Erfahrung. Im Wechsel von konzentrierten Stativaufnahmen und Schulterkamera-Aufnahmen wird eine Erzählhaltung deutlich, die sich dem Werk unmittelbar und emotional nähert. So wird ein Werk deutlich, dessen Bilder sich mit nichts als der Farbe als Gegenstand der Malerei auseinandersetzen, mit ihren Nuancen, feinsten Abstufungen. Anhand von zahlreichen vorgestellten Kunstwerken erkennt man, dass Graubners Bilder seit den 1960er Jahren in die dritte Dimension vorstoßen: Seine berühmten Kissenbilder spannt er über eine dicke Schicht synthetischer Watte. Er nennt sie Farbraumkörper und erklärt, wie er sie erfunden hat. In direkter Konfrontation mit dem Betrachter strahlen sie eine suggestive Kraft ab.

Im Sommer 2010 öffnete Gotthard Graubner dem Filmemacher Tilman Urbach sein Atelier. So entstanden einmalige Einblicke in den Arbeitsprozess eines der wichtigsten Künstlers unserer Zeit: Lichte monochrome Gemälde und Papierarbeiten entstehen direkt vor der Kamera. Im Focus des Dokumentarfilms stehen Atelierbesuche auf der Museumsinsel Hombroich in Neuss, bei denen der über achtzigjährige Maler von seinen künstlerischen Antriebskräften, aber auch von seinen Zweifeln und Widerständen seines langen Lebens erzählt. Anschließend begleitet das Filmteam den Künstler nach Paris, wo Graubner seine Ausstellung in der Galerie Karsten Greve besucht.

2012 wurde der Aufbau der Ausstellung „Gespräch mit Josef Albers“ im Bottroper Museum Quadrat gefilmt, bei dem sich Graubner in einen künstlerischen Dialog mit dem Vater der abstrakten Farbfeldmalerei begibt.

Graubner war maßgeblich am Aufbau der Sammlung auf der Museumsinsel Hombroich, einem einmaligen Ensemble aus Kunst und Natur, beteiligt. Von der Kamera begleitet, führt er über die Insel und erklärt Räume, in denen seine Bilder zusammen mit großen Khmer Figuren ausgestellt sind. Ein filmisches Portrait, das einen Maler zeigt, der die Farbe absolut setzte und seinen künstlerischen Weg über Jahrzehnte radikal gegangen ist.

Er starb im Mai 2013.